(Foto: Thitz)

Die Kunst der Tüte – Warum Thitz’ Bag Art Projects die Kunstwelt revolutionieren

Kunst zum Anfassen – und Mitmachen: Mit seinen Bag Art Projects bringt Thitz Tüten in Museen und Köpfe weltweit. Von Ludwigsburg bis Venedig, von Konsumkritik bis Partizipation – die Tüte wird zum Kunstwerk.

Als Galeristin erlebe ich täglich, wie Kunst Menschen berührt, irritiert oder begeistert. Doch selten habe ich ein Projekt gesehen, das so unmittelbar in den Alltag der Menschen eingreift wie die Tütenprojekte von Thitz. Meine erste Begegnung mit dem Künstler war Anfang der 2010er-Jahre auf der art Karlsruhe. Seine bunte und urbane Bildsprache hat mich sofort in den Bann gezogen – es war Liebe auf den ersten Blick, wenn man das über Kunst sagen darf.

Thitz, den ich seit Jahren in meinem Kunsthaus vertrete, hat mit seiner „Bag Art“ etwas geschaffen, das weit über klassische Galeriekunst hinausgeht – es ist partizipative Kunst im besten Sinne.

Alles begann mit einem Zufall, wie so oft in der Kunst. 1985 fand Thitz – damals noch junger Kunststudent bei Professor Sonderborg in Stuttgart – einen Stapel Brottüten im Sperrmüll. Was andere wegwerfen, wurde für ihn zum künstlerischen Material. Doch es blieb nicht beim Experiment im Atelier. Aus dieser Entdeckung entwickelte sich ein einzigartiges Konzept, das ich immer wieder faszinierend finde: die „Bag Art Projects“.

(Foto: Incontro, Thitz)

Das Prinzip ist genial in seiner Einfachheit

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihren Briefkasten und finden dort eine von Thitz gestaltete Papiertüte. Keine gewöhnliche Einkaufstüte, sondern ein kleines Kunstwerk, versehen mit bunten Motiven, Comic-Figuren und der impliziten Frage: Was ist Kunst für Sie? Genau das passiert bei einem Bag Art Project. Ganze Stadtbevölkerungen werden mit diesen Künstlertüten versorgt – ob in Karlsruhe, Athen, Miami oder Goch.

Was dann geschieht, ist der eigentliche künstlerische Prozess: Die Menschen nehmen diese Tüten, bemalen sie, beschriften sie, füllen sie mit ihren eigenen Ideen und bringen sie zurück. Im Museum oder Kulturzentrum entsteht dann eine temporäre Installation aus Hunderten, manchmal Tausenden dieser individuell gestalteten Tüten. Es ist eine unverfälschte Momentaufnahme dessen, was Kunst an diesem Ort, zu dieser Zeit für die Menschen bedeutet.

Ich erinnere mich noch gut an das Projekt im Cultural Center of the City of Athens 2008. Die griechische Bevölkerung ging völlig anders mit den Tüten um als etwa die Amerikaner beim Miami Children’s Museum 2007 oder die deutschen Teilnehmer in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe 2006. Jede Stadt, jede Kultur hat ihre eigene Kunstsprache – und Thitz macht sie sichtbar.

(Foto: Thitz)

Warum ausgerechnet Tüten?

Diese Frage höre ich oft. Die Antwort ist vielschichtig: Die Papiertüte ist demokratisch. Jeder kennt sie, jeder benutzt sie. Sie ist Werbeträger, Konsumprodukt, Alltagsgegenstand. Sie reist um die Welt – von indischen Gemüsemärkten bis zu New Yorker Luxusboutiquen. In Thitz’ Händen wird sie zum Kommunikationsmedium, das keine Barrieren kennt.

Eine besonders charmante Anekdote erzählt Thitz gerne selbst: Auf einer Reise durch Indien schenkte ihm eine Gemüsefrau einige ihrer Obsttüten, damit der junge Künstler wenigstens etwas zum Zeichnen habe. Diese kleine Geste einer fremden Frau wurde zum Ausgangspunkt einer internationalen Kunstbewegung.

Heute sammelt Thitz auf seinen Reisen durch Marokko, Island, Nepal, Mexiko, Guatemala und Südafrika Tüten aus aller Welt. In seinem Atelier bei Stuttgart stapeln sich Plastik- und Papiertüten mit Aufdrucken in Dutzenden Sprachen, mit Logos längst verschwundener Geschäfte, mit Werbebotschaften aus anderen Zeiten. Jede erzählt eine Geschichte.

(Foto: Thitz)

Von der Straße ins Museum – und zurück

Was ich an Thitz’ Tütenprojekten besonders schätze, ist ihre Kraft. Kunst verlässt den elitären Raum der Galerie und kommt zu den Menschen nach Hause. Plötzlich sind nicht mehr nur Kunstkenner und Sammler gefragt, sondern Schulkinder, Hausfrauen, Rentner, Geschäftsleute – alle werden zu Mitschöpfern.

Das Projekt 2019 während der Biennale di Venezia war in dieser Hinsicht besonders eindrucksvoll. Venedig, dieser Sehnsuchtsort der Kunstwelt, wurde mit Thitz-Tüten geflutet. Die Installation, die daraus entstand, war ein faszinierendes Spiegelbild der Lagunenstadt – so vielfältig wie ihre Besucher, so international wie die Biennale selbst.

Im Frank-Loebschen Haus in Landau 2015, im Museum Goch 2016, im Kunstmuseum Solingen 2014 – überall entstanden durch diese Bag Art Projects einzigartige Momentaufnahmen lokaler Kunstwahrnehmung. Als Galeristin beobachte ich dabei ein faszinierendes Phänomen: Die Hemmschwelle, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, sinkt dramatisch. Eine Tüte zu bemalen erscheint weniger einschüchternd als ein leeres Blatt Papier oder eine weiße Leinwand.

In seinen Werken schreibt Thitz Geschichten. Die Inspiration dazu findet er in seinem Alltag.Er klebt die gesammelten Tüten auf Leinwände, übermalt sie mit leuchtenden Acrylfarben, lässt ihre Henkel durch die Bildebene ragen. Seine Stadtlandschaften sind bevölkert von comicartigen Figuren in allen Hautfarben und Altersgruppen. Markenlogos werden übermalt, Werbeslogans ironisch kommentiert, die Konsumästhetik aufgebrochen und neu interpretiert.

(Foto: Thitz)

Die Tüte und Ludwigsburg

Ein besonders gelungenes Beispiel dieser Technik ist die Original-Collage „Ludwigsburger Marktplatz“. Für dieses Werk im Format 50 x 70 Zentimeter hat Thitz vier authentische Ludwigsburger Einkaufstüten verwendet und sie zu einem lebendigen Stadtporträt verwoben.

Man erkennt die charakteristische Architektur des Marktplatzes, die Marktkirche im Hintergrund und vor allem: die Menschen. In typischer Thitz-Manier bevölkern bunt gekleidete Figuren unterschiedlichster Hautfarben die Szene – ein lebendiges Treiben zwischen Marktständen und historischen Fassaden. Die Tütenhenkel ragen plastisch aus dem Bild heraus und machen das Werk zu einer dreidimensionalen Erfahrung. Es ist nicht nur ein Abbild Ludwigsburgs, sondern eine Hommage an das pulsierende Leben unserer schönen Barockstadt.

(Foto: Thitz)

Die Shopping Queen

Ganz anders, aber ebenso faszinierend, ist der Fine Art Print „Shopping Queen“. Diese limitierte Edition von nur 75 handsignierten und gerahmten Exemplaren zeigt eine glamouröse Frauenfigur vor der nächtlichen Kulisse einer Weltmetropole – vermutlich London, wie der Big Ben und der Harrods-Schriftzug verraten.

Doch das Besondere: Das Kleid der Shopping Queen besteht aus echten Einkaufstüten von Luxusmarken und Geschäften aus aller Welt. Hier verbindet Thitz Konsumkritik mit Ästhetik, Ironie mit Bewunderung. Die Frau trägt buchstäblich ihren Konsum zur Schau – und wird dadurch selbst zum Kunstwerk. Es ist eine augenzwinkernde Reflexion über Shopping-Kultur, Stadtleben und die Rolle, die Einkaufstüten in unserem Image spielen.

(Foto: Thitz)

Ein bisschen schauen …

Und wer genau hinschaut, findet in jedem Werk sein Markenzeichen: die Schuhe – einer rot und einer gelb! Meist ist es Thitz selbst, der sich mit Pinsel in der Hand in seine eigenen Bilderwelten hineinmalt. Tauchen Sie zusammen mit ihm ein in eine bunte Entdeckungsreise durch die Städte unserer Welt.

Diese Arbeiten finden sich heute in bedeutenden Sammlungen – bei Frieder Burda, Reinhold Würth, August Oetker. Das Museum für Fotografie in Seoul hat Werke angekauft, ebenso die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau. Was als Sperrmüllfund begann, hängt heute neben Werken der internationalen Kunstelite. Dr. Norbert Michels, Direktor des Museums in Dessau, formuliert es treffend: „Thitz erfasst in seinen Gemälden die schreiend bunte, reizüberflutete Welt der Megacities von heute.“

(Foto: Thitz)

Warum Bag Art heute relevanter ist denn je

In Zeiten, in denen wir über Nachhaltigkeit, Konsumkritik und die Plastikkrise diskutieren, bekommt Thitz’ Tütenkunst eine zusätzliche Dimension. Die Papiertüte – einst Symbol unbekümmerter Konsumkultur – ist heute Projektionsfläche für ökologische Fragen. Thitz hat das früh erkannt. In seinen Arbeiten finden sich Botschaften wie „The future is now!“ oder Aufrufe zu ökologischem Bewusstsein.

Seine Bag Art Projects zeigen aber auch: Nachhaltigkeit kann bedeuten, Dingen neues Leben einzuhauchen. Aus einem Wegwerfprodukt wird Kunst, aus Müll wird Bedeutung. Das ist eine Botschaft, die heute mehr Menschen erreicht denn je.

(Foto: Thitz)

Von Stuttgart in die Welt

Thitz lebt und arbeitet in der Nähe von Stuttgart – sein Haus erkennbar an den bunten Ziegeln, mit denen seine Frau DADA, selbst Performance- und Videokünstlerin, es gedeckt hat. Doch seine Tütenprojekte haben ihn um die Welt geführt.

Sehr erfolgreich war bereits die erste Ausstellung 2017 bei uns im Kunsthaus – ein Ereignis, das ich nicht vergessen werde. Die Resonanz war überwältigend, die Besucher begeistert von dieser unkonventionellen Kunstform. Seitdem ist Thitz ein fester Bestandteil unseres Galerieprogramms geworden.

Mein Fazit: Die Tüte als verbindendes Element zwischen Kulturen, als demokratisches Medium, als Kommentar zur Konsumgesellschaft und als Einladung zur Partizipation – das ist Bag Art. Und deshalb werden Thitz’ Tütenprojekte auch weiterhin um die Welt reisen: von Athen nach Los Angeles, von Seoul nach Brasilien. Wenn Sie das nächste Mal eine Papiertüte in der Hand halten, schauen Sie genauer hin. Vielleicht entdecken Sie ein kleines Kunstwerk – oder die Inspiration für Ihr eigenes.

Erhältlich im Watzl Kunsthaus

Die Original-Collage „Ludwigsburger Marktplatz“ sowie limitierte Exemplare der „Shopping Queen“ und weitere Werke von Thitz sind im Watzl Kunsthaus erhältlich. Lassen Sie sich von der bunten Welt der Tütenkunst inspirieren.

Es grüßt Sie aus dem bunten Kunsthaus in Ludwigsburg
Ihre
Barbara Watzl

Barbara & Peter Watzl haben in den Jahrzehnten ihres Bestehens einige schöne Höhen aber auch unschöne Tiefen erlebt. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit haben sie sich am Kunstmarkt in der Region zwischen Heilbronn und Stuttgart sowie durch Ihren Onlineauftritt – auch überregional – ein feines und interessantes Kunstfan-Publikum aufgebaut.

info@artmix24.de oder auf www.artmix24.de

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