(Bildquelle: Kamran Abdullayev für Unsplash+)

Warum Ihre Übernachtung bald mehr kostet – und was Hotels dabei leisten müssen

Ab Juli 2026 kostet jede Übernachtung in Ludwigsburg zwei Euro extra – nicht für das Hotel, sondern für die Stadt.

Ab Juli 2026 kostet jede Übernachtung in Ludwigsburg zwei Euro extra – nicht für das Hotel, sondern für die Stadt. DEHOGA-Vorsitzender Marcos Angas erklärt, was hinter der Bettensteuer steckt und warum konstruktiver Dialog manchmal doch zum Ziel führt.

Wer in den kommenden Monaten ein Hotel in Ludwigsburg bucht, wird auf der Rechnung eine neue Position entdecken: die Bettensteuer. Ab dem 1. Juli 2026 erhebt die Stadt für jede Übernachtung zwei Euro pro Gast und Nacht – eine Maßnahme, die bundesweit in immer mehr Kommunen Einzug hält und die ich Ihnen heute gerne etwas näherbringen möchte.

Die Wahrheit über die zwei Euro

Zunächst das Wichtigste vorweg: Diese zwei Euro gehen nicht an Ihr Hotel, Ihre Pension oder Ihre Ferienwohnung. Sie fließen direkt in die Stadtkasse. Die Gastgeber fungieren lediglich als Inkassostelle der Kommune. Sie kassieren die Steuer im Namen der Stadt und leiten sie weiter. Eine Aufgabe, für die sie selbst keinen Cent sehen, die aber dennoch mit zusätzlichem bürokratischem Aufwand verbunden ist.

Als Vorsitzender des DEHOGA Ludwigsburg vertrete ich die Interessen unserer Hoteliers, Gastwirte und Beherbergungsbetriebe. Und ich will ehrlich sein: Begeistert sind wir von der Einführung dieser Steuer nicht. Nicht, weil wir die angespannte Finanzlage der Kommunen nicht verstehen würden. Das tun wir sehr wohl. Sondern weil wir einen fundamentalen Systemfehler sehen: den Flickenteppich, der sich quer durch die Republik zieht.

Der deutsche Bürokratie-Flickenteppich

Jede Kommune, die eine Bettensteuer einführt, kocht ihr eigenes Süppchen. Die eine erhebt einen Euro, die andere drei, manche befreien Geschäftsreisende, andere nicht. In der Nachbarkommune gibt es vielleicht gar keine Bettensteuer. Dieser Wildwuchs schafft Verwirrung bei Gästen und zusätzlichen Verwaltungsaufwand bei den Betrieben. Besonders für kleinere Häuser oder Ferienwohnungsanbieter wird es kompliziert, wenn sie Gäste aus verschiedenen Regionen empfangen und jedes Mal erklären müssen, warum die Steuer hier anders funktioniert als dort.

Was wir uns wünschen würden? Ein einheitliches, bundesweites Modell. Eine Regelung, die klar und transparent ist. Eine Lösung, die nicht jeden Hotelier zum Steuereintreiber macht, ohne dass er selbst davon profitiert. Doch solange das politisch nicht gewollt ist, müssen wir mit dem arbeiten, was vor Ort möglich ist.

Wenn Dialog wirklich funktioniert

Und hier komme ich zum positiven Teil: In Ludwigsburg haben wir genau das getan. Nach intensiven Gesprächen mit der Stadtverwaltung ist es gelungen, eine Regelung zu finden, die zumindest im Sinne der Praktikabilität gut durchdacht ist. Der Austausch war konstruktiv, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. So sollte Kommunalpolitik immer funktionieren. Die Verwaltung hat sich die Zeit genommen, mit uns Fachleuten zu sprechen, unsere Bedenken ernst zu nehmen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie die Steuer mit möglichst geringem Aufwand umgesetzt werden kann.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Bettensteuer in Ludwigsburg gilt zwar für alle Übernachtungen – egal ob Geschäftsreise, Städtetrip oder Familienbesuch –, aber die administrative Abwicklung wurde so schlank wie möglich gestaltet. Das betrifft nicht nur Hotels, sondern auch Jugendherbergen, Airbnb-Unterkünfte und Ferienwohnungen. Alle sitzen im gleichen Boot, alle haben die gleichen Spielregeln. Das ist zumindest fair.

Die Bettensteuer in Ludwigsburg gilt für alle Übernachtungen – egal ob Geschäftsreise, Städtetrip oder Familienbesuch. (Bildquelle: Unsplash / Dave Photoz)

Dass dieser konstruktive Dialog funktioniert, hat sich übrigens noch an anderer Stelle gezeigt: Nach einem Expertenhearing im Gemeinderat konnte die geplante Verpackungssteuer gestoppt werden – ein Thema, das für die Gastronomie noch viel belastender gewesen wäre. Auch hier hat sich gezeigt, dass Fachexpertise und sachliche Argumentation wirken, wenn die Politik bereit ist zuzuhören.

Was bedeutet das für den Gast?

Was bedeutet das nun konkret für Sie als Gast? Wenn Sie ab Juli 2026 in Ludwigsburg übernachten, zahlen Sie pro Nacht zwei Euro zusätzlich. Diese Steuer ist nicht verhandelbar und sie verschwindet auch nicht im Hotelbudget. Sie geht direkt an die Stadt und soll helfen, die kommunale Infrastruktur zu finanzieren, von der letztlich auch der Tourismus profitiert: gepflegte Parks, kulturelle Angebote, gut ausgebaute Verkehrswege.

Für uns Gastgeber bedeutet es: Wir werden weiterhin mit Herzblut für Ihre Zufriedenheit sorgen, auch wenn wir nebenbei noch als unbezahlte Steuereinnehmer fungieren. Wir werden Ihnen erklären, warum diese zwei Euro auf Ihrer Rechnung stehen. Und wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass Bürokratie abgebaut statt aufgebaut wird.

Ein Blick nach vorne

Am Ende des Tages bleibt die Hoffnung, dass eines Tages vernünftige Lösungen gefunden werden. Bis dahin arbeiten wir mit dem, was wir haben – und in Ludwigsburg haben wir immerhin eine Kommune, die den Dialog sucht. Das ist mehr, als man mancherorts sagen kann.
In diesem Sinne: Bleiben Sie uns gewogen, kommen Sie uns besuchen – und wundern Sie sich nicht über die zwei Euro auf der Rechnung. Sie sind nicht für uns, sondern für Ihre Stadt.

Es grüßt Sie herzlich vom Monrepos
Marcos Angas

Ein Beitrag von Marcos Angas

Er ist erster Vorsitzender des DEHOGA Kreisverbandes Ludwigsburg.

 

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