Der Frühling hat seine besten Argumente: knackiger Spargel aus heimischen Feldern, duftende Erdbeeren vom Wochenmarkt – und die überraschende Entdeckung, dass die beiden zusammen noch besser schmecken als getrennt. Was steckt hinter dem kulinarischen Duett der Saison?
Wenn die Tage länger werden und die Sonne endlich wieder Wärme verspricht, gibt es zwei Genüsse, auf die Deutschland wartet wie auf kaum etwas sonst: die ersten knackigen Spargelstangen und die ersten duftenden Erdbeeren vom heimischen Feld. Sie läuten gemeinsam die schönste Jahreszeit auf dem Teller ein – regional, saisonal und unwiderstehlich.
Frühling ist die Zeit für zwei kulinarische Stars, die Gourmets mit ihrem besonderen Geschmack verwöhnen: Spargel und Erdbeeren. Die beiden regionalen Spezialitäten harmonieren hervorragend miteinander – zum einen wegen ihrer gemeinsamen Saison, zum anderen wegen ihres Geschmacks. Sowohl das elegante Stangengemüse als auch die roten, saftigen Früchte sind zudem ausgesprochen gesund. Wer sie verzehrt, vereint Genuss mit Wohlbefinden – am besten frisch vom Erzeuger.

Spargelzeit ist Genießerzeit
Der Frühling ist die Zeit des königlichen Gemüses. Jetzt kommen die Spargel-Genießer voll auf ihre Kosten, denn die heimische Delikatesse sprießt von April bis Juni aus den deutschen Spargelfeldern. In der Spargel-Nation Deutschland ist das Edelgemüse mit dem Köpfchen besonders beliebt – und das liegt nicht nur an den vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten.
Die Spargelzeit beginnt mit dem Erntebeginn gegen Ende März. Ein exaktes Datum gibt es nicht, da der Start der Saison von der Region, dem Witterungsverlauf, der Sonneneinstrahlung und der Vorjahresernte abhängt. In einem warmen Jahr beginnt die Spargelzeit früher; ist es am Jahresanfang noch kühler, ist von einem späteren Termin auszugehen. In den wärmeren Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und Rheinland-Pfalz startet die Saison in der Regel etwas früher als in den übrigen Regionen.

Der letzte Stichtag der Spargelsaison ist der 24. Juni, der Johannistag. Dieses Datum hat mit der Ernte des Folgejahres zu tun: Eine zu späte Spargelernte würde die Erträge im nächsten Jahr mindern. In der Schonzeit muss der Spargel Zeit haben, sich zu erholen, durchzuwachsen und einen grünen Busch zu bilden. Dazu bleiben ihm vom 24. Juni bis zum ersten Frost rund 100 Tage, um Kraft für das nächste Jahr zu sammeln.
Wann der erste Spargel gestochen werden kann, bleibt jedes Jahr spannend. Die ersten reifen Stangen lassen sich an feinen Rissen an der Oberfläche der Erdwälle erkennen. In Handarbeit werden sie dann vorsichtig freigelegt, bevor der Spargel in der Tiefe mit einem Spezialmesser gestochen wird. Die ersten Stangen erhält man direkt bei den Spargelbauern, in Hofläden oder auf den Wochenmärkten.
Spargel ist ein Superfood
Spargel schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch sehr gesund. Das leichte Gemüse besteht zu rund 93 Prozent aus Wasser und gehört mit etwa 18 Kilokalorien pro 100 Gramm zu den kalorienärmsten Gemüsearten. Außerdem enthält Spargel zahlreiche Nährstoffe: darunter den Eiweißbaustein Asparagin – den Namensgeber für das Gemüse –, die Vitamine A, B, C, E und K sowie Kalium. Einen besonders hohen Anteil machen die Provitamine A und Vitamin C aus. Durch seine Mikronährstoffe wirkt Spargel antioxidativ, immunstimulierend und entwässernd. Das meiste Vitamin C steckt in den zarten Spargelspitzen.

Diese Unterschiede gibt es beim Spargelaroma
Spargel ist ein Verwandter von Zwiebel, Schnittlauch und Knoblauch und enthält schwefelhaltige Stoffe, die für den Geschmack verantwortlich sind. Vor allem der Aromastoff Asparagussäure sorgt für das milde Spargelaroma. Wie intensiv es ist, hängt von der Sorte, der Zubereitung und der Wachstumsgeschwindigkeit ab. Wenn der Spargel schnell schießt, sind die Fasern feiner und das Aroma ausgeprägter. Je näher am Wurzelstock gestochen wird, umso bitterer schmeckt er.
Weißen Spargel nennt man auch Bleichspargel – er ist aufwendiger in Pflege und Ernte, bleibt bis zur Ernte unter der Erde und ist deshalb mild und fein im Geschmack. Sobald er den Boden durchbricht, bildet er den natürlichen Pflanzenstoff Chlorophyll, wodurch sich die Spitzen violett verfärben. Grüner Spargel wächst über der Erde und hat einen kräftigeren, würzigeren Geschmack. Weißer Spargel ist vor allem in Deutschland sehr beliebt, während in anderen Ländern grüner Spargel (USA) oder violetter Spargel (Frankreich) als Delikatesse gilt.
Die Qualitätskriterien für Spargel
Spargel wird in verschiedene Qualitätsklassen eingeteilt. Nach der UNECE-Norm bildet die Klasse Extra die höchste Stufe: Die Stangen sind gut geformt und gerade, haben verschlossene Köpfe, keine Verholzungen und sind weiß. Klasse I umfasst Spargel guter Qualität mit leichten Formfehlern, Verfärbungen oder leichter Verholzung. Bei Klasse II darf der Durchmesser variieren und die Köpfe dürfen leicht geöffnet sein. Die EU-Vermarktungsnorm stellt dabei sicher, dass die Ware frei von Mängeln, Fremdstoffen oder Schädlingen ist.

Weißer Spargel: beliebt, aber seltener
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 103.900 Tonnen Spargel geerntet – das waren 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr und 8,5 Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor. Die gesamte Anbaufläche umfasste 2025 noch 22.500 Hektar – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent und gegenüber 2015 um 12,5 Prozent. Spargel bleibt dennoch die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland. Vor allem kleinere Betriebe haben sich aus dem Spargelanbau zurückgezogen: Die Zahl der anbauenden Betriebe fiel von 1.900 im Jahr 2015 auf 1.350 im Jahr 2025.
Die Verbraucher schätzen weiterhin vor allem heimischen Spargel – und wählen bei der Farbe eindeutig: Weißer Spargel liegt in der Gunst vorne, gefolgt vom grünen. Als wichtigste Importländer für frischen Spargel gelten Spanien, Mexiko und Griechenland.
Einkauf und Lagerung von Spargel
Wer Spargel einkauft, sollte auf eine glänzende Schale und geschlossene Spitzen achten – das sind klare Zeichen von Frische. Weitere Indizien sind saubere, feuchte Schnittstellen und der Quietschtest: Frische Stangen geben beim Aneinanderreiben ein leichtes Quietschgeräusch von sich.
Bis zum Verzehr – spätestens nach drei Tagen – bewahrt man weißen Spargel am besten ungeschält in ein feuchtes Tuch gewickelt im Gemüsefach des Kühlschranks auf. Grüner Spargel steht am liebsten aufrecht im Wasser. Tiefgekühlt bleibt Spargel bis zu zwölf Monate frisch – dafür vorher waschen, schälen und die holzigen Enden entfernen.

Zubereitung und Verzehr von Spargel
Vor der Zubereitung wird Spargel gründlich unter fließendem Wasser gewaschen. Bei weißem Spargel muss die festere Schale zuvor mit einem Spargelschäler entfernt werden, bei grünem Spargel entfällt dieser Schritt. Die unteren Enden werden bei beiden Sorten abgeschnitten. Spargel kann gekocht, gedämpft, gedünstet oder gegrillt werden.
Klassischerweise kommt er gekocht mit Kartoffeln, Schinken und Sauce Hollandaise auf den Tisch. Doch es gibt viele weitere Varianten: im Ofen mit Mandel-Thymian-Fetakruste, als warme Spargelsuppe, als Risotto oder gebraten mit Ei, Parmesan und etwas Balsamico-Essig. Zum feinen, dezent bitteren Aroma passt am besten ein trockener Weißwein.
Spargel harmoniert aber auch vorzüglich mit Erdbeeren – dann bilden die beiden regionalen Delikatessen ein kulinarisches Duett. Besonders erfrischend schmeckt ein Spargelsalat mit Erdbeeren, bei dem Balsamico eine wunderbare Verbindung schafft. Die Erdbeeren on Top sorgen für ein interessantes, fruchtiges Aroma.
Fruchtig und frisch: Erdbeeren schmecken nach Frühling
Erdbeeren gehören zu den beliebtesten Obstarten Deutschlands. Das liegt an ihrer angenehmen Süße und an den vielfältigen Zubereitungsarten. Die rotglänzenden Früchte mit ihrem verführerischen Duft haben ab April Saison und locken alle Naschkatzen ins Freie. Je nach Region und Witterungslage zieht sich die Erdbeersaison bis Ende August und manchmal sogar bis in den September hinein.
Frisch und aus heimischem Anbau schmecken die prallen Früchte am besten. Die kurzen Transportwege ermöglichen es, dass die Erdbeeren innerhalb von zwei Tagen nach der Ernte verzehrt werden. Frische und dunkelrote Erdbeeren enthalten zudem mehr gesunde Vitamine, Mineralstoffe und bioaktive Substanzen.

Wussten Sie´s?
Insgesamt gibt es über 1.000 Erdbeersorten, die sich in Größe, Form, Geschmack und Erntezeit unterscheiden. Bei der Erdbeere handelt es sich botanisch nicht um echte Beeren, sondern um Sammelnussfrüchte – sie ist ein Rosengewächs und gehört zur selben Familie wie Apfel, Birne oder Pflaume. Die eigentlichen Früchte sind die kleinen gelben Körner auf der Oberfläche, die sogenannten Nüsschen. Die winterharten Stauden werden in frühe und späte Sorten sowie in einmal- und mehrmaltragende Sorten unterteilt. In Deutschland wird laut dem Bundeszentrum für Ernährung überwiegend die mittelfrühe Sorte Elsanta angebaut – die wichtigste Frischmarktsorte in Mitteleuropa.

Erdbeeren sind Schlankmacher
Wie Spargel werden Erdbeeren in Qualitätsklassen eingeteilt. Zur Klasse Extra gehört fehlerfreie Ware mit einer Mindestgröße von 25 mm, die alle sortentypischen Eigenschaften aufweist. Klasse I ist gute Qualität mit leichten Mängeln wie Formfehlern oder kleinen weißen Stellen. Klasse II darf Fehler haben – für Klasse I und II gilt eine Mindestgröße von 18 mm.
Erdbeeren sind nicht nur fruchtig und lecker, sondern auch sehr gesund. Mit etwa 32 Kilokalorien pro 100 Gramm sind sie nach der Nährwerttabelle der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wahre Schlankmacher. Sie enthalten rund 55 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm – damit spielen sie in der Liga von Zitronen und Orangen. Hinzu kommen Vitamin A, E und K sowie Jod, Magnesium, Eisen und Phosphor. Kaum eine Frucht enthält so viel Folsäure wie die Erdbeere.
Rekordtief im Erdbeeranbau – Genuss wird kostbarer
Die deutschen Landwirtschaftsbetriebe ernteten 2025 im Freiland rund 75.500 Tonnen Erdbeeren – die niedrigste Erntemenge seit 1995. Die Ernte lag damit rund 24 Prozent unter dem Durchschnitt der vorangegangenen Jahre. Als Hauptursachen gelten gestiegene Produktionskosten und eine rückläufige Nachfrage, die viele Betriebe zur Verkleinerung ihrer Anbauflächen bewogen haben. Das macht heimische Erdbeeren noch kostbarer – und den Gang zum Wochenmarkt oder Hofladen umso lohnenswerter.
Da Erdbeeren druckempfindlich sind, sollten sie vorsichtig behandelt werden. Beschädigte oder matschige Stellen sind umgehend zu entfernen, damit sich die Fäulnis nicht ausbreitet. Am besten bewahrt man die Früchte mit Stiel und Kelchblättern ungewaschen und abgedeckt an einem kühlen Ort oder im Gemüsefach des Kühlschranks auf. So halten sie sich bis zu zwei Tage.




